Die Fledermaus | Pride Edition

Ein queerer Blick auf „Die Fledermaus“ im Pride Monat

Alljährlich im Juni wird im Pride Month die Sichtbarkeit queerer Kultur gefeiert, aber auch an den Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung erinnert. Pride ist Widerstand und Lebensfreude! Und welches Werk wäre besser geeignet, um anlässlich dieses Fests einen neuen Blick auf Erotik, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen zu werfen als Johann Strauß’ „Die Fledermaus“?


Ausgerechnet Operette? Ja – kein Genre ist queerer! Von Beginn an subversiv und freizügig war sie stets auch ein Spiel mit Geschlechterrollen und Sehnsüchten. Mit Maskerade und Verwandlung erzählt sie von Menschen, die andere Identitäten annehmen – oder annehmen müssen. Was verändert sich nun, wenn Beziehungen nicht automatisch heterosexuell sind? Wenn gesellschaftliche Normen nicht nur vergnügliche Täuschungen, sondern existenzielle Lebenslügen hervorbringen?

Für diese Säule des Repertoires verfassen Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl eine neue Textfassung, die das Stück in seiner Entstehungszeit belässt und doch augenzwinkernd mit Vergangenheit und Gegenwart queeren Lebens spielt. Bei allem Humor und Verkleidungswitz, bei mitreißenden Choreografien und Champagnerseligkeit bleiben jedoch auch ernstere Töne nicht ausgespart. Steckt hinter der „Rache der Fledermaus“, die die Handlung der Operette in Gang setzt und dem ganzen Stück seinen Namen gibt, mehr als nur ein harmloser Streich, den Dr. Falke seinem guten Freund Gabriel von Eisenstein spielt? Oder sind die Gefühle der beiden füreinander komplizierter? Was brachte den schillernden Prinzen Orlofsky nach Wien, wo er nun ausgelassene Feste voller queerer Erotik feiert bei denen gilt: „Chacun a son gout“, also: Alle nach ihrem Geschmack? Und was passiert, wenn bei einem dieser ausgelassenen, queeren Untergrundbälle plötzlich die Polizei vor der Tür steht und das Gefängnis droht? Kommt es unter den Belogenen und Betrogenen endlich zum dringend notwendigen Zusammenhalt oder endet alles in der bequemen Ausrede: der Champagner?

Johann Strauß‘ weltberühmte Operettenmusik mit Ohrwürmern wie „Mein Herr Marquis“, „Im Feuerstrom der Reben“ oder „Ich lade gern mir Gäste ein“ erklingt auch in der Pride Edition der „Fledermaus“ unangetastet – und entwickelt in der neuen Textfassung doch eine unerwartet aktuelle, bissige Wirkung. Egal wie Sie also lieben oder sich definieren – feiern Sie mit uns den Pride Month, die Operette und das befreiende Lachen über jene Masken, die die Gesellschaft uns aufzwingen will.


Termine, Tickets & Infos: www.volksoper.at

Foto: © Volksoper Wien/erstellt und bearbeitet von Christof Hetzer