„Fluchtweg“: Kreuzweg queerer Menschen
Ökumenisches Projekt ab 26. Februar in Wien, Linz, Graz und Innsbruck
Die Leidensgeschichte Jesu aus einer ganz neuen Perspektive: In Wien, Linz, Graz und Innsbruck lädt „Fluchtweg“ dazu ein, den Kreuzweg aus dem Blickwinkel von queeren geflüchteten Menschen zu erleben.
Ein ökumenisches Projekt verbindet eine alte kirchliche Tradition mit erschütternden Lebensrealitäten: In einem außergewöhnlichen Kreuzweg lassen queere Menschen mit Fluchterfahrungen Besuchende an ihren bewegenden Erlebnissen teilhaben. Die Erstaufführung dieses besonderen Kreuzwegs fand bereits am 26. Februar 2026 in der Votivkirche Wien statt.
Die Grundlage des Kreuzwegs sind biografische Zeugnisse queerer Personen, die aufgrund ihrer religiösen, sexuellen und geschlechtlichen Identität flüchten mussten. Aus diesen eindrücklichen Erzählungen wurden Texte erarbeitet, die in Form fiktiver Telefongespräche präsentiert werden. „Die erzählten Geschichten sind unglaublich eindringlich – der Atem stockt, die Worte fehlen, um zu beschreiben, was das in einer auslöst“, berichtet Hannelore Mayer mit Schwerpunkt der Regenbogenpastoral in der Jungen Kirche Wien.
Raum für Mitgefühl und Verständnis
„Queere Menschen fliehen nicht aus Selbstverwirklichung, sondern aus Angst. Ihr Mut, ihre Verletzlichkeit und ihre Hoffnung begegnen uns unter dem Kreuz – dort, wo jede menschliche Erfahrung Platz hat“, beschreibt Anson Samuel, geistlicher Assistent der Katholischen Jugend OÖ und Leiter des gesamten Projekts, das Anliegen des Kreuzweges.
Für die evangelische Hochschulpfarrerin Katharina Payk, Queer-Theologin und Mitwirkende im Projekt, zeigt das Projekt die Kraft ökumenischer Zusammenarbeit: „Wenn wir als christliche Menschen gemeinsam (queere) Vielfalt leben, wird die Kirche zu einem Ort, der Grenzen überwindet. Das spürt man auch in der Zusammenarbeit, die immer sehr wirkungsvoll und wohltuend ist.“
Der Choreograph Ariel Uziga, der die körperlich-performativen Teile gestaltet, erklärt den künstlerischen Zugang des Kreuzweges: „Die Kunst schafft eine ganz neue Form des Zuhörens: Die Musikerinnen und Luftakrobatinnen ermöglichen eine besondere Aufmerksamkeit für Vielfalt, die verbindend wirkt.“
Ein Kreuzweg für alle
Der queere Kreuzweg, der erstmals 2024 gefeiert wurde, richtet sich an alle Generationen, an Menschen aus kirchlichen Gemeinden ebenso wie an Suchende und Interessierte. Der besondere künstlerische Zugang ermöglicht es, Sprach- und Kulturbarrieren zu überwinden.
Der Kreuzweg wurde von Ehrenamtlichen initiiert und wird in Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen aus mehreren Diözesen und Konfessionen gestaltet. Das Vorbereitungsteam verbindet eine große Hoffnung: „Dieser Kreuzweg ist ein Impuls zu mehr Mitgefühl, Achtsamkeit und Miteinander. Und den brauchen wir – jetzt.“
Die Termine
• 26. Februar 2026, 19:00 Uhr, Votivkirche Wien
• 12. März 2026, 19:00 Uhr, Grüner Anker (Jugendkirche Linz)
• 18. März 2026, 19:00 Uhr, Christuskirche Graz
Von 2. bis 8. März 2026 ist „Fluchtweg“ auch als interaktive Ausstellung in der Pfarrkirche Mühlau in Innsbruck zu erleben.
Fotos: © Judith Gramm







