Auszeichnung „Meritus“ 2025
IKEA, AMS, die Psychosozialen Dienste der Stadt Wien, die Johann-Strauß-Apotheke und QWIEN ausgezeichnet – Sonderehrung für die ÖBB
Ein Abend im Zeichen von Vielfalt, Mut und gelebter Verantwortung: es wurde zum neunten Mal der Meritus, die österreichische Auszeichnung für LGBTIQ+-Inklusion in Wirtschafts- und Arbeitswelt, verliehen.
Die feierliche Gala fand in der Christoph-Leitl-Lounge der Wirtschaftskammer Österreich statt – moderiert von Markus Knopp und veranstaltet von Pride Biz Austria, vertreten durch Präsident Lukas Burian und Vizepräsidentin Astrid G. Weinwurm-Wilhelm.
Unter den rund 100 geladenen Gästen befanden sich prominente Persönlichkeiten wie Renate Anderl (Präsidentin der Arbeiterkammer Wien), Bettina Dorfer-Pauschenwein (Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich) und Petra Draxl (Vorständin des AMS Österreich).
Die siebenköpfige Fachjury des Meritus 2025 vereint Expertise aus Forschung, Beratung und Verwaltung:
- Christian Klopf – Leiter der Abteilung Soziale Verantwortung und Chancengleichheit im Sozialministerium; für LGBTQIA+ und Diversity
- Gerda Zweng – Referentin für Personal- und Organisationsentwicklung in der Wirtschaftskammer Österreich; verantwortet den Bereich Diversity
- Nikolaus Benke – Rechtswissenschafter und pensionierter Universitätsprofessor der Universität Wien mit Expertise für Geschlechter- und Diversitätsfragen
- Norbert Pauser – Organisationsberater mit Schwerpunkt Diversity & Inclusion; Initiator des Meritus 2009, tätig bei Caritas Wien und als Trainer
- Jacqueline Niavarani – Leitung der Abteilung „Sozio-Ökonomische Gleichstellung“ im BMFWF, u.a. zuständig für LGBTIQ+-Angelegenheiten
- Eva-Maria Burger – Leitung Frauen- und Gleichstellungspolitik in der Bundesarbeitskammer und AK Wien
- Roswita Hofmann – Wissenschaftliche Beraterin für organisationsbezogene Diversität, Forschung zu sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Diversität
Meritus in der Kategorie „Großunternehmen“ – IKEA: Ein Symbol für progressive Unternehmenskultur
IKEA wurde von der Jury gelobt als ein „Aushängeschild für Diversität, Glaubwürdigkeit und gelebte Inklusion“. Besonders hervorgehoben wurden die Trans-Inklusions-Richtlinien, die als beispielhaft für inhaltliche und strukturelle Substanz gelten. Die Zusammenarbeit mit Expert:innen – etwa im Rahmen von Workshops und Vorträgen mit der Beratungsstelle Courage, HOSI Salzburg oder den Rosa Lila Panther:innen – unterstreicht zudem den Anspruch auf fachliche Tiefe. Geschlechterneutrale Toiletten an mehreren Standorten in Österreich sowie LGBTIQ+-Vertrauenspersonen, regionale Gleichbehandlungsbeauftragte und ein aktives Netzwerk, das Allyship fördert, zeigen, dass Diversität konsequent in tragfähige Strukturen eingebettet ist.
„IKEA schafft Räume, die stärken – Räume für Sichtbarkeit und Identität. Vielfalt ist hier kein Trend, sondern Designkomponente mit Bestand“, betonte Jurymitglied Christian Klopf, Leiter der Abteilung Soziale Verantwortung und Chancengleichheit im Sozialministerium.
Sonderehrung „Großunternehmen“ – ÖBB: Dranbleiben als Haltung
Bereits 2017 wurden die ÖBB mit dem Meritus ausgezeichnet – 2025 folgt die Sonderehrung für konsequentes Weitermachen. Diversity ist bei den ÖBB heute konzernweit fest verankert – etwa durch eine Diversity-Stelle auf Holding-Ebene mit einem 11-köpfigen LösungsCenter für Diversity & Inclusion, verpflichtende DEI-Trainings für Führungskräfte und geschlechtergerechte Personalprozesse. Weiters wurde das Wachstum des internen Regenbogennetzwerks „QBB – Queere Bundesbahnen“ hervorgehoben, das beim Meritus-Gewinn 2017 noch in den Anfängen stand und mittlerweile rund 400 Mitarbeiter:innen umfasst. Das Netzwerk ist offen für sowohl LGBTIQ+-Kolleg:innen als auch Allys und bietet Raum für Austausch, Workshops, Infoveranstaltungen und gemeinsame Aktivitäten.
„Das Dranbleiben ist entscheidend – Haltung zu zeigen, gerade in herausfordernden Zeiten. Die ÖBB beweist Leidenschaft für ein Mehr an Toleranz, Respekt und Wertschätzung“, so die Jurybegründung.
Meritus in der Kategorie „Öffentlicher Sektor“ – AMS Österreich/Wien: Echte Veränderung statt Symbolpolitik
Die Kooperation zwischen dem Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich und dem AMS Wien überzeugte mit struktureller Tiefe, Innovationskraft und klarer Haltung. Die IT-Umstellung zur geschlechtergerechten Erfassung gilt als Meilenstein im öffentlichen Sektor, ebenso die verpflichtenden Diversity-Module in der Grundausbildung aller Mitarbeiter:innen. Damit werden bundesweit Bewusstsein und Kompetenz für faire Teilhabe gestärkt – weit über einzelne Projekte hinaus.
„Kaum eine andere Organisation hat den Kampf gegen Windmühlen so erfolgreich gemeistert. Das AMS steht für Glaubwürdigkeit, Haltung und für faire Teilhabe – nicht nur in Worten, sondern in Systemen“, so Jurymitglied Gerda Zweng, Referentin für Personal- und Organisationsentwicklung in der Wirtschaftskammer Österreich.
Meritus in der Kategorie „Öffentlicher Sektor“ – Kuratorium für Psychosoziale Dienste der Stadt Wien: Empathie trifft auf Weitsicht
Das Kuratorium für Psychosoziale Dienste der Stadt Wien zeigt eindrucksvoll, wie LGBTIQ+-Inklusion in der psychischen Gesundheitsversorgung gelingen kann. Queere Perspektiven werden hier konsequent mitgedacht – von der therapeutischen Arbeit bis zur internen Sensibilisierung. Besonders hervorzuheben ist die Kampagne #darüberredenwir, die gemeinsam mit der HOSI Wien initiiert wurde und dazu aufruft, offen über psychische Gesundheit zu sprechen – auch und gerade „unter dem Regenbogen“. Sie stärkt Bewusstsein, reduziert Tabus und macht deutlich, dass Sichtbarkeit und Akzeptanz zentrale Faktoren für mentales Wohlbefinden sind.
„Diese Einreichung steht für Empathie, Weitsicht und echte Integrationsarbeit im öffentlichen Sektor. Sie beweist, dass Inklusion auch jenseits klassischer Diversity-Aufträge Wirkung zeigt“, so die Jury. Das Kuratorium der PSD Wien setzt damit ein starkes Zeichen: Psychische Gesundheit und Vielfalt gehören zusammen, und werden in der täglichen Praxis sichtbar gelebt.
Meritus in der Kategorie „KMU“ – Johann-Strauß-Apotheke: Sensibilisierung auf höchstem Niveau
Die Johann-Strauß-Apotheke lebt LGBTIQ+-Inklusion im Gesundheitssektor mit besonderem Feingefühl. Ob in der sensiblen Begleitung bei Transitionsthemen, der engen Zusammenarbeit mit NGOs, Infoecken für Kund:innen oder spezifischen Trainings für Mitarbeitende – Vielfalt ist hier Teil des täglichen Miteinanders. Inklusive Sprache ist respektvoll und selbstverständlich im Leitbild verankert.
Die Jury hob besonders die „hohe Sorgfalt, Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit“ hervor, mit der die Apotheke Diversität lebt. „Die Johann-Strauß-Apotheke ist ein Musterbeispiel dafür, wie kleine Betriebe einen großen Unterschied machen können“, betonte Jury Mitglied Norbert Pauser, Organisationsberater mit Schwerpunkt Diversity & Inclusion sowie einer der Initiator:innen der Auszeichnung Meritus.
Pride Biz Sonderpreis – QWIEN: Ein kulturelles Leuchtturmprojekt in herausfordernden Zeiten
Anders als bei den zuvor genannten Meritus-Auszeichnungen, die sich an Unternehmen aller Branchen und Größen richten, würdigt der Pride Biz Sonderpreis gezielt Initiativen, Produkte oder Dienstleistungen, die sich explizit an die LGBTIQ+-Community richten. Dabei steht nicht ein ausgereiftes internes Diversity Management im Vordergrund, sondern der konkrete Beitrag zur Sichtbarkeit und Teilhabe queerer Menschen. Mit der Eröffnung des ersten queeren Museums Österreichs setzt QWIEN ein starkes Zeichen: für Sichtbarkeit, historische Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
„Unsere Entscheidung ist für ein Projekt gefallen, das zu Zeiten der politischen Polarisierung, in der vermehrt Angriffe auf Mitglieder vulnerabler Gruppen geschehen, herausragende Bedeutung hat“, so Juror Nikolaus Benke, Rechtswissenschafter und pensionierter Universitätsprofessor der Universität Wien. „Qwien schafft die Basis zu verteidigen, was an Gleichstellung erreicht worden ist, und gibt Mut, daran zu arbeiten, die Gleichstellung weiter zu verbessern.“
Über den Meritus
Seit 2009 vergibt Pride Biz Austria alle zwei Jahre den Meritus – DIE österreichische Auszeichnung für Diversität und Inklusion in Bezug auf sexuelle Orientierungen und Geschlechtervielfalt. Ziel ist es, Best Practices sichtbar zu machen und die Arbeitswelt zu mehr Offenheit, Fairness und Chancengleichheit zu inspirieren.
Fotos: © Christine Miess / Pride Biz Austria






