Bücher & Rezensionen

Out in the World

Ein inspirierender Reiseführer, der queeres Reisen zwischen Freiheit, Sicherheit und persönlicher Entdeckung betrachtet

Mit Out in the World – The Gay Guide to Travelling with Pride haben Stefan Arestis und Sébastien Chaneac einen Reiseführer geschaffen, der sich deutlich von klassischen Reisebüchern unterscheidet. Statt lediglich Sehenswürdigkeiten, Hotels oder bekannte Urlaubsorte aufzuzählen, betrachten die beiden Autoren das Reisen aus einer queeren Perspektive. Im Mittelpunkt steht dabei eine Frage, die für viele LGBTQ+-Reisende von besonderer Bedeutung ist: Wo kann ich mich nicht nur als Tourist, sondern auch als queerer Mensch willkommen und sicher fühlen?

Das Buch nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch unterschiedliche Regionen der Welt. Dabei entsteht schnell der Eindruck, dass es den Autoren nicht darum geht, möglichst viele Reiseziele oberflächlich abzuhaken. Vielmehr zeigen sie, wie unterschiedlich das Lebensgefühl und die gesellschaftliche Akzeptanz für LGBTQ+-Menschen von Land zu Land sein können. Genau diese Perspektive macht den Reiseführer interessant.

Besonders gelungen ist die Mischung aus persönlichen Erfahrungen und konkreten Empfehlungen. Stefan und Sébastien sind seit vielen Jahren gemeinsam unterwegs und kennen daher Situationen, die für gleichgeschlechtliche Paare auf Reisen relevant werden können. Ihre Erfahrungen verleihen dem Buch eine persönliche und glaubwürdige Ebene. Man bekommt nicht das Gefühl, einen rein sachlichen Katalog von Reisezielen zu lesen, sondern wird von zwei Menschen begleitet, die viele dieser Orte selbst erlebt haben.

Positiv fällt außerdem auf, dass queeres Reisen nicht ausschließlich mit Vorsicht und möglichen Problemen verbunden wird. Sicherheit spielt zwar eine wichtige Rolle, bestimmt aber nicht den gesamten Charakter des Buches. Ebenso viel Raum erhalten Lebensfreude, Begegnungen, Essen, Nachtleben, Pride-Veranstaltungen, Natur und außergewöhnliche Aktivitäten. Dadurch vermittelt das Buch eine optimistische Grundhaltung: Die eigene sexuelle Identität soll kein Grund sein, auf das Entdecken der Welt zu verzichten.

Gerade die Verbindung zu lokalen LGBTQ+-Communitys ist dabei ein interessanter Aspekt. Ein Reiseziel wird nicht allein danach beurteilt, welche bekannten Sehenswürdigkeiten vorhanden sind. Auch die Menschen, Treffpunkte und queeren Angebote vor Ort werden Teil des Reiseerlebnisses. Dadurch erhält man einen anderen Blick auf Städte und Länder, als ihn ein gewöhnlicher Reiseführer vermitteln würde.

Auch die visuelle Gestaltung unterstützt diesen Ansatz. Das Buch wirkt weniger wie ein nüchternes Nachschlagewerk und mehr wie eine Einladung, neue Ideen zu entwickeln. Man kann darin blättern, einzelne Regionen entdecken und sich inspirieren lassen, ohne das Buch vollständig von vorne bis hinten lesen zu müssen.

Insgesamt ist Out in the World für mich vor allem deshalb lesenswert, weil es Reisen nicht nur als Bewegung von einem Ort zum nächsten versteht. Das Buch verbindet das Entdecken fremder Länder mit der Frage, wie frei man dort als queerer Mensch sein kann. Gleichzeitig bleibt es lebensfroh und macht Lust darauf, neue Orte kennenzulernen.

Out in the World ist kein gewöhnlicher Reiseführer, sondern eine Mischung aus Reiseinspiration, persönlichen Erfahrungen und praktischer Orientierung für queere Reisende. Seine größte Stärke liegt darin, Sicherheit ernst zu nehmen, ohne dass Angst das Reisen bestimmt. Stattdessen vermittelt das Buch Neugier, Selbstbewusstsein und die Botschaft, die Welt möglichst offen und mit Stolz zu entdecken.

Out in the World – The Gay Guide to Travelling with Pride, Stefan Arestis & Sébastien Chaneac, HarperCollins Publishers, Umfang: ca. 192 Seiten, Sprache: Englisch, ca. € 19,90