Verkleidete Distanzen in Wien
Universitätsgalerie der Angewandten
„Die (Berliner) Mauer war das Kondom der DDR“, stellte die Deutsche AIDS-Hilfe 1990 fest und griff damit eine in der DDR bereits geläufige Metapher auf. Der sogenannte „Antifaschistische Schutzwall“ sollte nicht nur äußere Einflüsse des „westlichen Klassenfeindes“ abwehren und Flucht verhindern, sondern auch nach innen gegen vermeintlich „ansteckende“ Einflüsse abschirmen.
Die Ausstellung untersucht die Auswirkungen von Grenzen auf die Entstehung von Gegenöffentlichkeiten an der Schnittstelle von Kunst, Literatur und Aktivismus – in der DDR sowie in den Umbruchmomenten des Mauerfalls und der Zeit nach der Wiedervereinigung.
Die Beiträge dieser Ausstellung machen die Grenze – sei sie physisch gebaut, ideologisch, körperpolitisch, kulturell oder medial – sichtbar, überschreiten und besetzen sie als diasporischen Ort der Artikulation. Jene ästhetischen Strategien im öffentlichen, semi-öffentlichen oder im intimsten privaten Raum unterlaufen mitunter ikonografische Identitätsbilder, wie sie im sozialistischen Realismus durch den staatlich propagierten „neuen Menschen“ verkörpert wurden.
Mit Werken u.a. von Jürgen Wittdorf (Sammlung Kollek, Berlin). Ausdrucksstark und informativ kuratiert von Elisa R. Linn.
Ausstellungsdauer: bis 31. Januar 2026
Weitere Infos auch unter https://www.juergen-wittdorf.de/ausstellungen/
Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzerhof | Schönlaterngasse 5 / Grashofgasse 3, 1010 Wien
Foto: © Wittdorf Juergen, Rötelzeichnung

