„Mordlust am Schlossberg“
Queere Geschichten und Cruising in Graz um 1900: Glanz wie frisch poliertes Silber und darunter ein Puls, der schneller schlägt, als er dürfte
In „Mordlust am Schlossberg“ zieht Franz Preitler die Vorhänge der Jahrhundertwende zur Seite. Was dahinter liegt, ist kein Salonidyll, sondern ein fein gesponnenes Netz aus Begierde, Macht und gefährlichen Geheimnissen. Von der stillen Waldheimat bis ins flirrende Herz von Graz entfaltet sich eine Welt, in der jede Fassade ein Versprechen ist – und jede Tür ein Risiko. In Mürzzuschlag steigert sich ein von Rosegger faszinierter Verehrer in einen Kult, der mit Alpenhaus, Gesellschaftsgründung und frommen Bauprojekten nach Größe giert. Doch während dort noch an Heiligenbildern gefeilt wird, beginnt es in Graz längst zu brodeln: Moral predigen – und hinter den Kulissen das Gegenteil leben.
Das neu errichtete Grazer Orpheum lockt nicht nur mit Varieté und Applaus. Hinter dem Vorhang flackern andere Leidenschaften auf – flüchtig, verboten, gefährlich. Im Schatten des Schlossberg Graz, zwischen Schweizerhaus, Stadtpark, Meerscheinschlössl und den stillen Wegen von Geidorf, entfaltet sich ein Spiel, in dem Lust zur Währung wird und Erpressung zur Waffe.
Mittendrin: Rosegger selbst. Der gefeierte Heimatdichter, täglich auf dem Schlossberg, beobachtend, zweifelnd, provozierend. Seine kritischen Worte zur Religion machen ihn zur Zielscheibe. Plötzlich steht mehr auf dem Spiel als nur sein Ruf.
Ein unscheinbares Wäldchen, eine Statue, ein Treffpunkt. Männer, die sich im Verborgenen für sexuelle Handlungen begegnen, dafür bezahlen und schlimmsten Falles sogar erpresst werden. Villen, in denen „Schönheitskränzchen“ nicht nur Tee servieren, sondern Schicksale arrangieren und junge Leute an betuchte, gelangweilte Bürger verkuppeln. Die feine Gesellschaft tanzt, lacht und verkauft ihre Zukunft meistbietend. Dazwischen Morde aus Eifersucht und Gier.
Und draußen? Eine Stadt im Umbruch. Theater, Musik, Literatur blühen. Jedoch unter dem Glanz der k. u. k.-Welt wachsen Spannungen. Nationalitätenkonflikte, politische Risse, religiöse Brüche. Sprache wird zur Waffe. Haltung zur Provokation.
Preitlers vierter historischer Roman seziert diese Epoche mit kühler Präzision: Um 1900 wirkt alles geschniegelt und in Ordnung. Doch unter der Oberfläche arbeitet bereits die Unruhe eines Jahrhunderts, das bald aus den Fugen geraten wird.
Der letzte Band der historischen Romanreihe erscheint am 13. Mai 2026 bei Gmeiner Verlag.
Erste Lesungen folgen: Präsentation am 30. Mai in der Buchhandlung Moser. Im Rahmen des int. Fine-Crime-Festivals am 18. Juni sowie am 27. Juni bei „Krimi am Hof“ in Markt Hartmannsdorf.
Ein Roman wie ein Spaziergang bei Nacht: Man glaubt, den Weg zu kennen – bis plötzlich jemand hinter einem Schritt hält.
Fotos: © Franz Preitler





