Queer Frames
geht in die dritte Runde!
Von 10. bis 25. Juni werden Filmcasino und Filmhaus am Spittelberg abermals zum Ort der Auseinandersetzung mit internationalem queerem Filmschaffen. Die acht ausgewählten Arbeiten der diesjährigen Festivalausgabe könnten dabei unterschiedlicher kaum sein: Vom bewegenden Dokumentarfilm bis zum berührenden Liebesdrama, vom slowenischen Kloster bis in die schillernde Welt südostasiatischer Ballrooms erforscht das diverse Programm Queerness in ihrem unfassbaren Facettenreichtum.
Mit leiser Stimme
OT: À voix basse
Leyla Bouzid | FR/TN 2026 | 112 min | OmU
Mit: Hiam Abbass, Salma Baccar, Marion Barbeau
Österreich-Premiere!
Die in Paris lebende Lilia reist in ihr Geburtsland Tunesien, um ihren Onkel Daly zu beerdigen. Begleitet wird sie von ihrer Partnerin Alice, die aber nicht im Familienwohnsitz, sondern in einem nahegelegenen Hotel unterkommt; denn selbst Lilias Mutter ahnt nichts von der lesbischen Beziehung ihrer Tochter. Als Lilia während der mehrtägigen Trauerfeier erfährt, dass ihr Onkel unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen ist, beginnt sie eigene Nachforschungen anzustellen und dringt dabei immer tiefer in die queere Subkultur Tunesiens vor.
Ein ergreifendes und elegant inszeniertes Familiendrama über Identität, Familie und die zerstörerische Kraft des Unausgesprochenen: In MIT LEISER STIMME erzählt die tunesisch-französische Regisseurin Leyla Bouzid mit sanfter Kraft davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart heimsucht und so einen neuen Weg für die Zukunft weisen kann. Hiam Abbass, eine der großen Schauspielerinnen des Weltkinos, brilliert in diesem meisterhaften Film, der Mut macht und behutsamen Schrittes große Gefühle entfesselt.
What Will I Become?
Lexie Bean, Logan Rozos | US 2026 | 86 min | OV
Österreich-Premiere!
Ein Awareness-Team wird während des Screenings anwesend sein.
Mehr als die Hälfte aller trans Jungen unternimmt laut der American Academy of Pediatrics mindestens einen Suizidversuch. Vor diesem Hintergrund nehmen die Regisseur*innen Lexie Bean und Logan Rozos die Verletzlichkeit ihrer transmaskulinen Community in den Fokus und verflechten ihre persönlichen Erfahrungen mit den Geschichten zweier junger trans Männer, die durch Suizid starben: Der Homecoming-King Blake Brockington und der sanftmütige Kyler Prescott waren Dichter, Musiker und Anker ihrer Community. Der Film zeichnet ihre Freuden und Herausforderungen nach, ihren tragischen Tod, die daraus resultierende Medienaufmerksamkeit und die Auswirkungen auf ihr Umfeld. WHAT WILL I BECOME? fragt, warum Personen aus der transmaskulinen Community besonders gefährdet sind, ein kurzes Leben zu führen – und was es braucht, um dem entgegenzuwirken.
Plainclothes
Carmen Emmi | US 2025 | 95 min | OmU
Mit: Tom Blyth, Russell Tovey, Maria Dizzia
Österreich-Premiere!
New York, 1990er: Der junge Undercover-Cop Lucas (Tom Blyth) soll schwule Männer beim Cruisen in die Falle locken und verhaften. Als er Andrew (Russell Tovey, LOOKING) begegnet, entdeckt er seine eigenen unterdrückten Gefühle; und so wird aus dem gefährlichen Spiel eine leise Liebesgeschichte.
In seinem atmosphärisch dichten Langfilm-Debüt, das auf dem Sundance Film Festival mit dem U.S. Dramatic Special Jury Award ausgezeichnet wurde, macht Regisseur Carmen Emmi die homophoben und in den 90er Jahren tatsächlich durchgeführten „Plainclothes Operations“ zum Ausgangspunkt für eine packende Geschichte über schwules Begehren, Identität und Verrat.
The Early Works of Cheryl Dunye
Cheryl Dunye | US 1991 | 71 min | OV
Mit einer Einführung von Tayla Myree (Historiker:in, Kulturarbeiter:in und interdisziplinäre:r Künstler:in) vor dem Screening (in englischer Sprache).
Dieses Kurzfilmprogramm versammelt die prägenden, furchtlosen Frühwerke von Cheryl Dunye, einer wegweisenden Stimme des New Queer Cinema und Regisseurin des bahnbrechenden Films THE WATERMELON WOMAN. Im Mischen von Fiktion, Dokumentarischem und Autobiografie legt Dunye souverän die Schnittstellen von Race, Sexualität und Erinnerungskultur offen. Mit einer DIY-Ästhetik und einem ironisch-persönlichen Blick (de)konstruiert sie lesbische Identität, Begehren und Geschichte – und stellt dabei die Frage, wessen Geschichten gehört, und wessen Erzählungen vergessen werden.
Das Programm umfasst folgende Kurzfilme:
JANINE (1990, 6‘, OV)
SHE DON’T FADE (1991, 23‘, OV)
VANILLA SEX (1992, 4‘, OV)
THE POTLUCK & THE PASSION (1993, 15‘, OV)
AN UNTITLED PORTRAIT (1993, 8‘, OV)
GREETINGS FROM AFRICA (1996, 14‘, OV)
The Watermelon Woman
Cheryl Dunye | US 1996 | 90 min | OV
Mit: Cheryl Dunye, Guinevere Turner, Valarie Walker
Mit einer Einführung von Tayla Myree (Historiker:in, Kulturarbeiter:in und interdisziplinäre:r Künstler:in) vor dem Screening (in englischer Sprache).
Cheryl, jung, Schwarz und lesbisch, arbeitet in einer Videothek in Philadelphia und verdient sich mit Hochzeitsvideos Geld dazu. Beim Sichten alter Filme aus den 30ern und 40ern stößt sie in einem Südstaatenmelodram auf eine Nebendarstellerin, die im Vorspann nur als „The Watermelon Woman“ benannt wird. Fasziniert beginnt Cheryl zu recherchieren, stößt jedoch schnell auf eine erschreckende Leerstelle: Über schwarze Schauspielerinnen dieser Zeit ist kaum etwas dokumentiert. Motiviert macht sie sich daran, diese Lücke der Filmgeschichtsschreibung zu schließen, doch unzugängliche Archive, verschlossene Zeitzeug*innen und die Affäre mit einer attraktiven Kollegin machen ihr das Leben schwer.
Eine schwarze, lesbische Frau macht einen Film über eine schwarze, lesbische Frau, die einen Film über eine schwarze, lesbische Frau drehen will; klingt verkopft, entpuppt sich aber als leichtfüßige, humorvolle und selbstreflexive Mockumentary über die Unsichtbarkeit schwarzer, queerer Filmgeschichte und das Bedürfnis, sich darin wiederzufinden.
In Kooperation mit Queertactics
Little Trouble Girls
OT: Kaj ti je deklica
Urška Djukić | SV/IT/HR/RS 2025 | 89 min | OmU
Mit: Jara Sofija Ostan, Mina Svajger, Sasa Tabakovic
Die introvertierte Teenagerin Lucija tritt dem Mädchenchor ihrer katholischen Schule bei und schließt dort Freundschaft mit der beliebten und leichtherzigen Ana Maria. Als der Chor für ein intensives Probenwochenende in ein Kloster auf dem Land fährt, wecken nicht nur manche Mitschülerinnen, sondern auch ein vor Ort tätiger Restaurator Lucijas ihr Interesse – und sie ist bereit, die Freundschaft mit Ana Maria und den anderen Mädchen aufs Spiel zu setzen. Angesichts der ungewohnten Umgebung und ihrer erwachenden Sexualität beginnt Lucija, ihren Glauben und ihre Werte infrage zu stellen. Neue Triebe brechen sich Bahn. Und die Harmonie im Chor zerbricht.
The Beauty of Ballroom
Sze-Wei Chan | PH/SG/DE 2026 | 99 min | OmU
Österreich-Premiere!
Bunt, lebendig und spektakulär: Teddy, Sun und Xyza haben die Voguing- und Ballroom-Kultur, die sich einst in New York entwickelte, nach Südostasien gebracht. Ihre „Houses“ sind mehr als nur sichere Zufluchtsorte vor Homophobie, Transphobie und anderweitiger Diskriminierung: Es sind die Familien, nach denen sie sich immer gesehnt haben.
Feinfühlig und präzise gewährt die singapurische Regieperson Sze-Wei Chan in THE BEAUTY OF BALLROOM intime Einblicke in das Leben dreier außergewöhnlicher Performer:innen aus Thailand, Malaysia und den Philippinen. Der energetische Dokumentarfilm, der immer wieder als „die südostasiatische Antwort auf PARIS IS BURNING“ beschrieben wird, feierte beim Busan International Film Festival mit überwältigendem Erfolg Premiere.
In Kooperation mit Red Lotus
Paris is Burning
Jennie Livingston | US 1990 | 78 min | OV
Kinostart 25.6.2026
Mit einer kritischen Einführung von Isabel Lewis (Künstlerin, Choreografin, Co-Artistic Director Tanzquartier Wien) vor dem Film (in englischer Sprache).
Woher kommt Voguing, und was genau bedeutet eigentlich „throwing shade“? Jennie Livingstons ikonischer (und zurecht umstrittener) Dokumentarfilm zeichnet ein lebendiges Bild der afro- und lateinamerikanischen Drag-Ball-Szene in Harlem, New York City, der 1980er. Gedreht über einen Zeitraum von sieben Jahren, gewährt PARIS IS BURNING intime Einblicke in rivalisierende „Houses“ – von erbitterten Wettbewerben um begehrte Trophäen bis hin zu „Mothers“, die in einer von Homophobie, Transphobie, Rassismus, AIDS und Armut geprägten Welt Halt und Fürsorge geben. Mit legendären Performer:innen, Drag Queens und trans Frauen – darunter Willi Ninja, Pepper LaBeija, Dorian Corey und Venus Xtravaganza – feiert PARIS IS BURNING die transformative Kraft von Tanz, Selbstausdruck und Community.
In Kooperation mit ImPulsTanz.
What Will I Become?
Lexie Bean, Logan Rozos | US 2026 | 86 min | OV
Do11. Juni, 20:30 Uhr, Filmhaus Spittelberg
The Early Works of Cheryl Dunye
Cheryl Dunye | US 1991 | 71 min | OV
Di16. Juni, 18:30 Uhr, Filmhaus Spittelberg
The Watermelon Woman
Cheryl Dunye | US 1996 | 90 min | OV
Di16.Juni, 20:30 Uhr, Filmhaus Spittelberg
Little Trouble Girls
Urška Djukić | SV/IT/HR/RS 2025 | 89 min | OmU
Do18. Juni, 20:30 Uhr, Filmcasino
The Beauty of Ballroom
Sze-Wei Chan | PH/SG/DE 2026 | 99 min | OmU
Di23. Juni, 20:30 Uhr, Filmhaus Spittelberg
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