Mit Freude arbeiten

– und wie  die Rainbow-Career-Days dabei unterstützen können

Wie viel Zeit verbringen wir in unserem Leben am Arbeitsplatz? Durchschnittlich 9-10 komplette Jahre oder auch 82.000 Stunden. Und das nur reine Arbeitszeit. Pendelzeit, Überstunden und Gedanken, die wir uns in der Freizeit zur (eigenen) Arbeit machen, kommen nochmal dazu.

Was bringt uns dazu, so viele Jahre unseres Lebens in Arbeit zu stecken? Ist es rein der „Broterwerb“, also die Notwendigkeit der Geldbeschaffung, oder streben wir (zudem?) nicht auch an, eine erfüllende berufliche Tätigkeit auszuüben? Ist es also die Berufung die uns antreibt? Gehe ich gern zur Arbeit, weil das mein wirkliches Hobby ist, für welches ich auch noch bezahlt werde?

Fragen wir z.B. die Kinder in Bangladesch, die dort in der Textilwirtschaft unter unmenschlichen Bedingungen ableisten müssen – damit junge Menschen Billigmode für € 5 erwerben können – ist die Antwort sicher eindeutig und glasklar; parallel die Künstlerin, die aus Passion ihrer Arbeit nachgeht, vice-versa dito.

In jedem Fall sollte es uns mehrheitlich gelingen, gern an die Arbeit zu gehen. Mit Freude. Freude an der Tätigkeit, Freude am Umfeld, Freude am Team, Freude an Anerkennung, an Sichtbarkeit, an Wertschätzung. Die darf sich auch monetär widerspiegeln; wer in Deutschland z.B. als Nachwuchsjurist:in im ersten Berufsjahr bis zu € 160.000 verdient, muss eben auch verinnerlicht haben, dass dies „Schmerzensgeld“ für sehr viele Arbeitsstunden bedeutet.

Mitteleuropäisch sind die meisten Personen „weiß, haben mittlere bis höhere Schulbildung, viele jüngere einen Studienabschluss“. In Luxemburg z.B. sprechen fast 100% der Bevölkerung drei Sprachen, mehr als 80% vier oder mehr. Diese Personen haben oftmals alleine durch ihre (Geburts-)Herkunft einen Vorsprung (Privileg?) gegenüber Personen mit Migrationshintergrund oder anderer Hautfarbe.

Das fällt europäisch gesehen auch in vielen Vorstellungsgesprächen auf. Legt man fünf identische CV´s auf den Tisch, mit Bildern einer Muslima im Kopftuch, einem „nichtweißem“ (PoC) Mann, einer Person die queer(gelesen) aussieht, einer Person mit nur einem Auge und einer „durchschnittsweißen“ Person, ist die Wahrscheinlichkeit der Einladung zum Vorstellungsgespräch bei der „durchschnittsweißen“ Person 2-5 mal höher, als bei den anderen Bewerbenden, trotz gleicher Qualifikation. Strukturelle Diskriminierung – ob aktiv gelebt oder durch implizierte Vorurteile (unconscious biases) „ausgeführt“ – sind tief in der Gesellschaft verankert.

Eine moderne Gesellschaft macht aus, dass alle Menschen sich in ihr aufgehoben fühlen, und allen Personen ein sicheres und vorbehaltloses Leben ermöglicht wird. Im Miteinander ist eine Gesellschaft immer stärker, als in Ausgrenzung. Dabei ist die Frage der Herkunft, der Religion, der Hautfarbe, des BMI oder der sexuellen Orientierung/der Geschlechtsidentität nicht entscheidend, sondern wie wir miteinander umgehen und welche Wertevorstellung die Person in ihrem Leben gegenüber der Gemeinschaft lebt.

Zurück zum Arbeitsplatz: Diskriminierung begegnet wie beschrieben deutlich mehr Menschen, als es uns vielerorts bewusst ist, privat wie beruflich. Wie aber sollen Menschen innerhalb ihres Jobs mit Freude teilhaben können, wenn sie sich ausgegrenzt oder gemobbt fühlen? Wie sollen Unternehmen erwarten können, dass diese Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz „die volle Leistung“ erbringen, wenn sie sich täglich mit ungutem Gefühl an die Arbeit schleppen?

Moderne Unternehmen wollen mehr, als ihren Aktionären jährliche Kursgewinne zu bescheren, sie arbeiten auch aktiv daran, die Gesellschaft als Ganze voranzubringen. Gleichsam haben sie verstanden, dass sie auf ihre Angestellten eingehen müssen, damit mehr Zufriedenheit / Freude im Berufsalltag herrscht, was auch zu besseren (monetären) Ergebnissen für die Firma führen wird. Ein klassisches „win-win“ für alle Beteiligten. Aber wie schaffe ich ein solches Arbeitsumfeld?

Die Wertevorstellungen von Unternehmen sind heute das essentielle Entscheidungskriterium, warum die GenZ zum Beispiel ihren Job auswählt. Wofür steht eine Firma und welches Produkt/welche Dienstleistung wird angeboten (und in welcher Form)? Kann ich mich persönlich damit identifizieren? Ich möchte einen Arbeitsplatz, wo ich nicht nur eine „reine Nummer“ bin, sondern ich wertgeschätzt werde als der Mensch, der ich bin. Natürlich bleiben die jeweiligen Qualifikationen ausschlaggebend, aber heute gehört mehr dazu. Ich möchte mich wohlfühlen, wo ich bin, und ich möchte das auch, für mein (Team-)nebenan.

Ausgrenzung und Diskriminierung haben keinen Platz mehr – stattdessen zählen Fairness, ein Miteinander und Inklusion von allen. Niemand möchte besser behandelt werden, nur eben auch nicht schlechter. Dazu unterstützen auch die Rainbow-Career-Days, die Karriere-Events zu Vielfalt im Berufsleben. Die Veranstaltungen fördern aktiv ein Kennenlernen an einem Messetag, welches ohne Vorbehalte und stattdessen mit Neugier aufeinander stattfindet. Moderne und weltoffene Unternehmen suchen hier ganz bewusst den Dialog mit Bewerbenden, die allen Vielfaltsaspekten entsprechen.

Die queere Community, also Personen die eine nicht heterosexuelle Orientierung bzw. andere Geschlechtsidentität (schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell, queer, intersexuell, asexuell, non-binär oder vergleichbar) haben, machen in Mitteleuropa z.B. 7-10% der Gesamtbevölkerung aus, in der jüngeren Generation (GenZ, Millennials) liegt der Anteil oft bei 15-20%. Viele dieser queeren Personen haben, privat oder beruflich, schon Diskriminierungserfahrung erleiden müssen und die Rainbow-Career-Days bieten ihnen – wie auch allen weiteren interessierten Besuchenden – die Chance auf ein Kennenlernen mit Firmen, die sich für Vielfalt in ihrer Belegschaft stark machen und alle Menschen so anerkennen und einbinden wollen, wie sie sind.

Vielfältige Teams sind kreativer, innovativer und anpassungsfähiger. Unterschiedliche Perspektiven ergeben breitere Lösungsansätze. Die Kombination aus Jung und Alt, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Lebensstilen (in allen Formen und Farben) schafft ein besseres Ergebnis für alle Beteiligten.

Die Rainbow-Career-Days fördern das vorbehaltlose Kennenlernen; bei immer kostenfreiem Eintritt geht es dabei nicht nur um Standgespräche mit Unternehmen – zu denen man sich über das Karriereportal vorbewerben kann. Ein Rahmenprogramm begleitet das Format, auch viele Community-Organisationen haben einen Stand. Die Rainbow-Career-Days sind somit auch ein Netzwerktreffen zum Austausch und Dialog.

Eingeladen sind dabei Schüler:innen, Studierende, Absolvent:innen und Bewerbende mit Berufserfahrung, die sich derzeit aktiv nach einer Ausbildung, einem Praktikum, einem Einstiegsjob oder dem Berufswechsel erkundigen, genauso – wie Interessierte, die derzeit happy mit der Arbeit sind, sich aber gern auf das tolle Format als Ganzes einlassen wollen. Immer mit Freude. Sebastian Krug

Fotos: © Rainbow Career Days