Queer
Österreich tanzt bei den Gay Games zu WM-Gold
Erfolge für Österreich und Lettland bei der IFSSDA-Weltmeisterschaft in València – heimische Tänzer holen mehrere Podestplätze
Am 4. Juli 2026 ging in València die zwölfte Ausgabe der Gay Games zu Ende – acht Tage, in denen sich Spaniens drittgrößte Stadt in die Welthauptstadt des inklusiven Sports verwandelte. Mehr als 10.000 Athletinnen und Athleten aus über 70 Ländern traten in 39 Sportdisziplinen an – von Schwimmen, Leichtathletik und Tennis über den Tanzsport bis hin zu den lokalen Demonstrationssportarten Colpbol und Pilota Valenciana –, begleitet von einem umfangreichen Kulturprogramm mit Chorgalas, Musikfestivals, Ausstellungen und dem Rainbow Memorial Run. Zum ersten Mal in der 44-jährigen Geschichte der Spiele, die 1982 in San Francisco vom olympischen Zehnkämpfer Dr. Tom Waddell gegründet wurden, fanden die Gay Games auf spanischem Boden statt.
Zu den besonders verfolgten Wettbewerben zählte der Tanzsport, ausgetragen vom 30. Juni bis zum 3. Juli 2026. Auf Grundlage einer ständigen Vereinbarung zwischen der International Federation of Same-Sex Dance Associations (IFSSDA) und der Federation of Gay Games gilt der Tanzsportwettbewerb anlässlich jeder alle vier Jahre stattfindenden Gay Games zugleich auch als offizielle IFSSDA-Weltmeisterschaft – València war somit die Bühne, auf der die Weltmeistertitel im Equality-Tanzsport vergeben wurden. Über 240 Tänzerinnen und Tänzer in 120 Paaren – dazu Line-Dance-Aktive sowie Showdance- und Formationsteams – vertraten rund 27 Nationen in den Kategorien International Standard, International Latin, Ten Dance, American Smooth und Rhythm, Tango Argentino, Showdance, Line Dance und International Style. Bewertet wurden sie von 14 internationalen Wertungsrichterinnen und Wertungsrichtern unter dem Vorsitz von Isaac Rovira.
Österreichische und lettische Erfolge auf der Weltbühne
Die Weltmeisterschaften bescherten der österreichischen Equality-Tanzsport-Community eine bemerkenswerte Medaillenausbeute.
Anton Betnev (34, Tanztrainer) und Alexey Glazkov (42) wurden Weltmeister im Tango Argentino (Open Gender 18+): Mit dem ersten Platz sicherten sie sich Gold in einer der stimmungsvollsten Disziplinen der Titelkämpfe – zertifiziert von der IFSSDA und dem Vorsitzenden des Wertungsgerichts.
Anton Betnev und Oliver Wortmann (35), für Österreich am Start, bestätigten mit zwei Podestplätzen ihre Zugehörigkeit zur Weltelite: Vizeweltmeister (2. Platz) in International Latin, Open Gender 18+, sowie den 3. Platz in International Latin, Male 18+ – einem der am stärksten besetzten Felder der Weltmeisterschaften mit 24 Paaren aus fünf Kontinenten (Asien, Europa, Nordamerika, Ozeanien/Australasien, Südamerika) auf der Startliste. Das Ergebnis setzt die Erfolgsserie des Paares bei großen Meisterschaften fort: 2024 hatten die beiden in Wien den Europameistertitel in International Latin, Male 18+, gewonnen.
Unter den Flaggen Österreichs und Lettlands zugleich trat das binationale Paar Mag. Raimund Schüller (51, Österreich) und Uldis Šalajevs MSc, Bc.sc.ing. (43, Lettland) in International Latin sowohl in der Kategorie Male 18+ als auch in der Kategorie Open Gender 18+ an – und erreichte mit dem dritten Platz in der D-Klasse von International Latin, Male 18+, das Podium. Raimund Schüller ist Wiener Rechtsanwalt mit den Schwerpunkten Strafrecht, Familien- und Erbrecht sowie Immobilienrecht. Uldis Šalajevs nahm als einziger Lette an den Gay Games 2026 teil und lebt – nach zuvor zehnjähriger beruflicher Tätigkeit in Brüssel – seit 2019 in Österreich. Gemeinsam verkörperten sie damit das Gründungsethos der Gay Games: Weltklassesport und gelebte Inklusion gehören auf ein und dasselbe Parkett.
Österreichs Präsenz in València reichte über die Lateinsektion hinaus: Österreichische Tänzerinnen und Tänzer standen auch in International Standard sowie in binationalen Partnerschaften mit dem Vereinigten Königreich auf den Startlisten.
Über die Gay Games
Die 1982 in San Francisco gegründeten Gay Games sind das weltweit größte, für alle offene Sport- und Kulturereignis nach olympischem Vorbild und finden alle vier Jahre unter dem Leitgedanken von Teilhabe, Inklusion und persönlicher Bestleistung statt. Eine Qualifikation ist nicht erforderlich, und alle Kategorien stehen unabhängig von Geschlecht, Alter, Leistungsvermögen, sexueller Orientierung oder Herkunft offen. Seit 1986 hat das Stipendienprogramm der Federation of Gay Games mehr als 1.000 finanziell benachteiligten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 70 Ländern die Teilnahme an den Gay Games ermöglicht. Die nächste Ausgabe (Gay Games XIII) wird in Perth, Westaustralien, stattfinden. Darüber hinaus eröffnet die Federation of Gay Games im Dezember 2027 das Auswahlverfahren für den Austragungsort der Gay Games XIV im Jahr 2034; die Bekanntgabe der Gastgeberstadt wird für 2029 erwartet – rund ein Jahr, bevor die Gay Games in Perth stattfinden.
Über die IFSSDA
Die International Federation of Same-Sex Dance Associations (IFSSDA) entstand 2010 im Anschluss an die Gay Games in Köln auf Initiative der Gründungsorganisationen European Same-Sex Dance Association (ESSDA), International Association of Gay/Lesbian Country Western Dance Clubs (IAGLCWDC) und North American Same-Sex Partner Dance Association (NASSPDA). Sie ist der internationale Dachverband des gleichgeschlechtlichen und Equality-Tanzsports. Der Tanzsportwettbewerb jeder alle vier Jahre stattfindenden Gay Games ist als IFSSDA-Weltmeisterschaft autorisiert.
Text & Fotos: © Uldis Salajevs






